Dokumentarfilm erinnert an dunkle Kapitel der Vergangenheit

Muggenthaler1Gut 50 Interessierte kamen zum Diskussionsabend mit Vorführung des Dokumentarfilms von „Verbrechen Liebe“ zum gleichnamigen Buch des Journalisten Thomas Muggenthaler in die Aula der Angrüner-Mittelschule. Der Film befasst sich mit dem Schicksal von polnischen Zwangsarbeitern in Niederbayern und der Oberpfalz, die eine Liebesbeziehung zu deutschen Frauen hatten. Dieses traurige Kapitel deutscher Geschichte wurde und wird zum Teil immer noch verschwiegen. Für das Buch hat Thomas Muggenthaler in akribischer Recherchearbeit das Schicksal betroffener Personen aufgearbeitet. Der preisgekrönte Dokumentarfilm dazu zeigt in einfühlsamer Weise auf, wie damals polnische Zwangsarbeiter, die sich in deutsche Frauen verliebt hatten, den Verbrechen der Nazis zum Opfer fielen.

Doch nicht nur die polnischen Zwangsarbeiter wurden Opfer der Naziverbrecher, sondern auch die Frauen, die sich auf ein Verhältnis mit polnischen Zwangsarbeitern eingelassen hatten. Die Frauen wurden meist in KZ-Lager verbracht und viele davon kamen dabei ebenfalls um Leben. Kinder, die aus den Liebesbeziehungen hervorkamen, hatten gleichfalls darunter zu leiden.

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Bei der anschließenden Diskussion zum Dokumentarfilm, zu der Thomas Muggenthaler selbst anwesend war, konnten die Zuschauer unter Moderation von Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Koschmal Fragen an den Journalisten stellen. Dabei stellte sich heraus, dass gerade für Bad Abbach dieses Thema eine besondere Bedeutung hat, da auch in Bad Abbach ein polnischer Zwangsarbeiter, nämlich Felix Haberko, von den Nazischergen hingerichtet worden ist. Die damaligen Vorfälle wurden bis heute nicht aufgearbeitet. Thomas Muggenthaler berichtete auch, dass die Reaktion zur Aufarbeitung der Vorfälle in dieser Zeit von der Bevölkerung der betroffenen Gemeinden in Niederbayern und der Oberpfalz sehr unterschiedlich war und ist. Teilweise wurde und wird in einer offenen und Ressentiments freien Weise damit umgegangen, teilweise stößt man auf eine Mauer des Schweigens und Verschweigens. In Bad Abbach hat Marktgemeinderat Siegfried Schneider in mehreren Anträgen den Vorfall Felix Haberko im Marktgemeinderat vorgetragen. Bisher gibt es dazu lediglich eine Absichtserklärung des Marktgemeinderats, eine allgemeine Gedenkstätte zu den Verbrechen der Naziherrschaft in Bad Abbach errichten zu wollen. Die Form der Gedenkstätte und der Zeitpunkt, wann diese errichtet wird, stehen aber noch nicht fest. Der frühere Gemeindearchivar Dr. Alfons Kraus bemerkte dazu, dass er sich erinnern kann, dass er als Kind zu der Hinrichtung von Felix Haberko gehen musste. Rektor Heiner Bruckmüller von der Angrüner-Mittelschule merkte an, dass es nicht darum geht, irgendwelche Schuldzuweisungen zu tätigen, sondern man der Jugend die Möglichkeit geben sollte, mit der Vergangenheit des Ortes rational und wertefrei umzugehen. Abschließend zum Diskussionsabend wurde übereinstimmend festgestellt, dass nicht das Vergessen die Lösung sein kann, sondern nur der offene Umgang mit der Vergangenheit.
Thomas Muggenthaler und Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Koschmal erhielten am Ende der Veranstaltung von Rektor Heiner Bruckmüller ein kleines Präsent als Dankeschön für den informativen Einblick in die Geschichte überreicht.