Logo editorial„Was die Menschen früher nur vermuten konnten, wissen sie seit der globalen Medienvernetzung genau: Nicht die Vernunft beherrscht die Realität, sondern der Wahnsinn.“
(Wolfgang J. Reus, deutscher Journalist und Satiriker)

Wahnsinn! Für das bei Journalisten so gefürchtete „Sommerloch“, in dem sie in der Urlaubszeit über ausgebüxte Kaimane, über mysteriöse Kreise in Getreidefeldern und andere Absurditäten aus Politik und Gesellschaft berichten mussten, um die Gazetten zu füllen, aber doch eigentlich niemanden interessieren, hat man in diesem Sommer doch tatsächlich Nadeln, sprich wissenswerte Themen, zur Verfügung, mit denen das Loch gestopft werden kann.


In der internationalen Presse steht der BREXIT im Fokus. Die Briten haben sich zu einem „Leave“ aus der EU entschieden, wenn auch nur mit knapper Mehrheit. Doch wer hat dafür gestimmt? Glaubt man den Berichten und Kommentaren in Zeitungen und Tele-Nachrichten will es jetzt niemand gewesen sein. Über den gelesenen Vorschlag eines Kollegen aus der schreibenden Zunft, es wäre vielleicht besser gewesen, erst jeden Wahlberechtigten auf seinen IQ zu testen, bevor er den Wahlzettel bekommt, könnte man lachen. Doch der BREXIT-Kloß steckt dafür viel zu tief im Hals. Nicht die Vernunft beherrscht die Realität, sondern der Wahnsinn!
Und ganz nebenbei: Auch sportlich wurde ein Teil der Insel stark gebeutelt. Durch den EXIT der englischen Mannschaft bei der Fußball-EM. Zu den Favoriten auf den Titel zählend, durften die Kicker um Rooney, Vardy & Co. nach der Niederlage gegen Island frühzeitig die Heimreise antreten. Nicht nur die nationalen Medien berichteten darüber mit Spott und Häme, sondern überall in Europa ist das AUS für die englische Nationalmannschaft, das ausgerechnet der Fußballzwerg Island bewirkte, das Sport-Thema überhaupt. Realistisch betrachtet, hätten die Engländer mit ihren Stars zumindest das Achtelfinale überstehen müssen, hätten sie rechtzeitig „vernünftig“ gespielt. Doch nicht die Vernunft beherrscht die Realität, sondern der Wahnsinn!
Die deutschen Medienvertreter warten noch auf DAS deutsche Thema. Internationale und europäische Ereignisse bestimmen zurzeit die Schlagzeilen. Es ist zu befürchten, dass demnächst dann doch wieder – wie in den Jahren zuvor – Kaimane, wie Sammy, Bären, wie Bruno, Alligator-Schildkröten, wie Lotti, oder Dackel fressende Welse zur Berichterstattung herhalten müssen.
Doch regional kann man das Sommerloch mit „heißer“ Nadel stopfen. Die Regensburger Spendenaffäre um Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist in aller Munde. Dem Sozialdemokraten wird Vorteilsnahme im Amt vorgeworfen. Das Pikante daran ist, dass ausgerechnet dem Schatzmeister des SPD-Landesvorstandes, seines Zeichens Staatsanwalt, in den Rechenschaftsberichten des sehr überschaubaren Ortsvereins Regensburg-Süd Stadt, dessen Vorsitzender der amtierende OB ist, Unregelmäßigkeiten bei einer Prüfung festgestellt und dies an die Staatsanwaltschaft weitergegeben hat, die nun ermittelt. Ein Mann aus den eigenen Reihen. Welche Rolle spielt hier die von Wolbergs getrennt lebende Ehefrau, die Kassier des genannten Ortsvereins ist? Die Gerüchteküche in Regensburg brodelt, doch: „Mehr sog i ned!“. Man darf gespannt sein, ob in diesem Fall die Vernunft über den Wahnsinn siegt.
Und abschließend wird noch der kleine Bereich zwischen Mikro- und Makrokosmos, der „Mesokosmos Bad Abbach“ angesprochen, über den der Kurier jeden Tag aufs Neue berichtet. Aktuelle Nachrichten, aber auch interessante Reportagen zu politischen und gesellschaftlichen Begebenheiten werden für Sie, liebe Leserin, lieber Leser, weiterhin mit ausreichendem Informationsgehalt aufbereitet und somit das journalistische „Sommerloch“ mit Lesenswertem überbrückt, ohne Sie zu langweilen. Ortsbezogene Themen, über die man kritisch berichten könnte und über die der eine oder andere nachdenklich werden würde, gäbe es auch genügend. Doch bezüglich dessen hält man sich im Moment besser zurück: Wahnsinnige Menschen, wie „Herr ...dogan“, die jenseits jeder Vernunft agieren und die vom Grundgesetz garantierte Meinungs- und Pressefreiheit mit Füßen treten, gibt es überall. Deshalb muss man in der Realität der Vernunft mehr Raum als dem Wahnsinn geben!
Ich wünsche Ihnen allen einen „wahnsinnig“ schönen Urlaubsmonat!
Ihr
Herausgeber