Bildungspolitischer Info-Abend mit dem Schuldirektor und Schulentwickler Roland Grüttner
v.l.: Harald Unfried (Landtagskandidat), Kirsten Reiter (Bezirkstags-Listenkandidatin), MdL Johanna Werner-Muggendorfer (Bezirkstags-Direktkandidatin), Roland Grüttner, Florian Huber (Landtagskandidat für den Stimmkreis Dingolfing) (Foto: SPD-Niederbayern)v.l.: Harald Unfried (Landtagskandidat), Kirsten Reiter (Bezirkstags-Listenkandidatin), MdL Johanna Werner-Muggendorfer (Bezirkstags-Direktkandidatin), Roland Grüttner, Florian Huber (Landtagskandidat für den Stimmkreis Dingolfing) (Foto: SPD-Niederbayern)
Abensberg - Mit Roland Grüttner konnten MdL Johanna Werner-Muggendorfer und Landtagskandidat Harald Unfried einen bayernweit bekannten Schulentwickler und Schulrektor zu einem bildungspolitischen Informationsabend am vergangenen Dienstag im Gasthaus Stanxx in Abensberg willkommen heißen. Grüttner leitete 17 Jahre lang die Montessori-Schule in Dachau und ist aktuell Rektor einer staatlichen Grund- und Mittelschule. Als Schulentwickler hat Grüttner das Konzept einer integrativen Schulform, der Gemeinschaftsschule, mitkonzipiert.
Der ausgewiesene Bildungsfachmann begründete ausführlich die unbestreitbaren Vorteile eines längeren gemeinsamen Lernens der Schülerinnen und Schüler im Gegensatz zu der derzeitigen Praxis einer viel zu frühen Selektion nach der vierten Jahrgangsstufe. Die international vergleichende Forschung dokumentiere unisono, dass der Bildungserfolg dadurch vom familiären Hintergrund entkoppelt und die unterschiedlichen Startbedingungen viel besser ausgeglichen werden könnten. International betrachtet sei die spätere Aufteilung der Schülerschaft erst nach der sechsten oder neunten Jahrgangsstufe ohnehin der vorherrschende Standard. Negative Effekte auf das allgemeine Leistungsniveau konnten dabei in keiner Weise festgestellt werden. Länder mit längerer gemeinsamer Schulzeit erzielten bei den PISA-Studien sogar bessere Ergebnisse im Lesen oder in Mathematik. Das derzeit in Bayern praktizierte sogenannte „Grundschulabitur“ zementiere dagegen die Chancenungleichheit. Statt die Kinder schon nach der Grundschule zu sortieren, wäre es bildungspolitisch weitaus effektiver, sie länger gemeinsam lernen zu lassen, so Grüttner in seinen Ausführungen. Die Grundschule sollte vorrangig einen pädagogischen Auftrag und keinen Sortierauftrag haben. Lernfreude und individuelle Förderung der Kinder müssten im Vordergrund stehen und nicht Selektion und Notenstress. Eine längere gemeinsame Schulzeit entspreche auch den Präferenzen der meisten Eltern, so Grüttner mit Verweis auf verschiedene Umfragen in der Vergangenheit. Zuletzt hätten einer Umfrage des Bayerischen Elternverbands zufolge ca 85 Prozent der teilnehmenden Eltern den Übertritt schon nach der vierten Klasse als viel zu früh erachtet.
In der anschließenden Diskussion unterstützte die Bezirkstags-Listenkandidatin Kirsten Reiter die Forderung nach einer längeren gemeinsamen Lernzeit und ging zusätzlich auf die Inklusion in den Schulen ein. Die Unterstützung durch Schulbegleiter für Kinder mit Behinderung, auf die man sich hauptsächlich stütze, müsse neu gedacht werden, so Kirsten Reiter. Sie sprach sich dafür aus, die Schulbegleiter besser in die Teams der Schulen einzubinden als bisher. Denn nach dem derzeitigen Stand hänge die Umsetzung der Inklusion an engagierten LehrerInnen. Für eine bessere Einbettung wären etwa Stundenkontingente, die eine Schule für ihre Inklusionsarbeit frei nutzen könnte, ein Schritt in die richtige Richtung. Dass die Kosten für Schulbegleiter aktuell ausschließlich die Jugendhilfe-Budgets der Bezirke und Landkreise belasteten, sei ein Skandal, so Reiter. Dies zeige wieder einmal, wie wenig ernst es die Staatsregierung mit der "Schule für Alle" meine.
Die Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer verwies darauf, dass die SPD-Initiativen im Bayerischen Landtag für den Ausbau von Gemeinschaftsschulen bzw für ein längeres gemeinsames Lernen am bildungspolitischen Anachronismus der CSU in dieser Frage bislang gescheitert seien. Landtagskandidat Harald Unfried meinte, dass wie schon beim gesetzlichen Mindestlohn oder bei der Energiewende auch in dieser Frage ein dickes Brett gebohrt werden müsse. Denn den Vorteilen eines längeren gemeinsamen Lernens für Eltern, Kinder und Gesellschaft könne sich auch die CSU dauerhaft nicht verschließen. Schon in wenigen Wochen werde die CSU-Alleinregierung beendet sein und es würden sich so neue Chancen für eine zeitgemässe und gerechtere Bildungspolitik in Bayern eröffnen.