Urlaubsreif oder einfach mal raus aus dem Alltagstrott? Hier gibts die Reiseangebote

Arrow up
Arrow down

Aus aktuellem Anlass in eigener Sache

Kerzenlicht (Foto: br-medienagentur/billiondigital)Kerzenlicht (Foto: br-medienagentur/billiondigital)
In Gedenken an die Opfer rechtsextremistischer Attentate in rezenter Zeit und aus Empathie zu deren Angehörigen hat sich der Herausgeber entschlossen, sozusagen als Weckruf, ein antifaschistisches Gedicht des deutschen Schriftstellers Kurt Tucholsky, das 1930 in der „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ (Ausgabe Nr. 15, S. 290) unter seinem Pseudonym Theobald Tiger erschien, zu veröffentlichen. Ironischerweise verwandte Tucholsky als Titel „Deutschland erwache“, einen Begriff aus dem bereits 1920 geschriebenen „Sturmlied“ des Nationalsozialisten Dietrich Eckart, dessen Singen laut Strafgesetzbuch verboten ist, aber in der Neo-Nazi-Szene noch heute Verwendung findet, offensichtlich wohlwissend, dass dies von Gleichdenkenden nicht missverstanden wird.

„Deutschland erwache!
Daß sie ein Grab dir graben,
daß sie mit Fürstengeld
das Land verwildert haben,
daß Stadt um Stadt verfällt ...
Sie wollen den Bürgerkrieg entfachen
(das sollten die Kommunisten mal machen)
daß der Nazi dir einen Totenkranz flicht:
Deutschland, siehst du das nicht?

Daß sie im Dunkel nagen,
daß sie im Hellen schrein;
daß sie an allen Tagen
Faschismus prophezein ...
Für die Richter haben sie nichts als Lachen
(das sollten die Kommunisten mal machen)
daß der Nazi für die Ausbeuter ficht:
Deutschland, hörst du das nicht?

Daß sie in Waffen starren,
dass sie landauf, landab
ihre Agenten karren
im nimmermüden Trab ...
Die Übungsgranaten krachen ...
(das sollten die Kommunisten mal machen)
daß der Nazi dein Todesurteil spricht:
Deutschland, fühlst du das nicht?

Und es braust aus den Betrieben ein Chor
von Millionen Arbeiterstimmen hervor:
Wir wissen alles. Uns sperren sie ein.
Wir wissen alles. Uns läßt man bespein.
Wir werden aufgelöst. Und verboten.
Wir zählen die Opfer; wir zählen die Toten.
Kein Minister rührt sich, wenn Hitler spricht.
Für jene die Straße. Gegen uns das Reichsgericht.
Wir sehen. Wir hören. Wir fühlen den kommenden Krach.
Und wenn Deutschland schläft:
Wir sind wach!