Gelungener Spagat zwischen Historie und Moderne
Wird zukünftig das Kulturhaus von Neustadt sein: der Strochenwirt (Foto: br-medienagentur)Wird zukünftig das Kulturhaus von Neustadt sein: der Strochenwirt (Foto: br-medienagentur)
Der Storchenwirt soll Museum, Tourist-Info und Kulturhaus von Neustadt a. d. Donau werden. Das Gebäude hatte in jüngster Vergangenheit einen Vollbrand zu überstehen und wurde dann von der Stadt als Brandruine ersteigert und übernommen. Bedingt durch die Brandschäden musste das Gebäude entkernt werden. Bereits 2016 machte sich der Stadtrat Gedanken darüber, wie man das Gebäude für die Stadt sinnvoll nutzen könnte. Die Idee, den Storchenwirt als Kulturhaus mit Museum und einem Büro für die Touristeninformation zu nutzen, war schnell entstanden und nach einer ersten Konzeptentwicklung und Kostenschätzung im Herbst 2016 wurde unter Einbeziehung relevanter Fachstellen, wie Stadtheimatpfleger, Tourismusbüro und andere Abteilungen, eine Konzeption zur Beantragung als LEADER-Projekt erarbeitet.
Der Beschluss für den Antrag wurde vom Stadtrat im Februar 2017 gefasst und im Mai 2017 für die Förderung als LEADER-Projekt mit einer detaillierten Kostenermittlung eingereicht. Im Dezember 2017 wurde das LEADER-Projekt mit insgesamt 219.800 Euro förderfähigen Kosten und einer Förderung von 50 Prozent vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als zuständige Behörde genehmigt. Begründung für die Genehmigung ist die Tatsache, dass Neustadt a. d. Donau mit einer mittelalterlichen Altstadt mit Wall, Graben, Stadtmauer und Türmen an einer der bis ins 19. Jahrhundert bedeutendsten Wasserstraßen, nämlich der Donau, und zudem an den im Mittelalter wichtigen Verkehrsrouten wie römische Donaustraße, Salzstraße, Ochsenstraße und Nürnberger Landstraße liegt und damit im Mittelalter eine überregionale Bedeutung hatte. Mit der Aufbereitung und Darstellung des historischen Hintergrunds der Stadt Neustadt a. d. Donau soll sowohl für die einheimische Bevölkerung als auch für Touristen die Bedeutung der Stadt im Mittelalter hervorgehoben werden.
Bürgermeister Thomas Reimer bei der virtuellen Begehung der Räumlichkeiten mittels Videobrille. Dipl. Ing. (FH) Timo Mugele von framegrabber (links) erläutert ihm die Bedienung der Geräte (Foto: br-medienagentur)Bürgermeister Thomas Reimer bei der virtuellen Begehung der Räumlichkeiten mittels Videobrille. Dipl. Ing. (FH) Timo Mugele von framegrabber (links) erläutert ihm die Bedienung der Geräte (Foto: br-medienagentur)
In der Vorstellungsveranstaltung konnte man dann auch mit Hilfe modernster IT-Technik und Software des Unternehmens Framegrabber Medien GmbH die zukünftige Innenarchitektur und Gestaltung der Räumlichkeiten des interaktiven Museums erleben. Mit einer Videobrille konnte man sich virtuell im zukünftigen Innenraum des Museums bewegen und sich so einen genauen Eindruck von der Raumaufteilung machen.

Die Aufteilung des großen Raumes im Erdgeschoss des Storchenwirtes gliedert sich dabei in fünf Bereiche:

Bereich 1 Stadtgeschichte mit

Vor- und Frühgeschichte
Eiszeitjäger
Bauern und Handwerker der Jungsteinzeit
Bronze- und Eisenzeit
Römerzeit
Und die Baiern

Mittelalter

Gründung der Stadt (Stadtrechte, Stadtmauer, Gründungsmotive und weiteres)
Herren und Ritter (Burgen und Schlösser in den Ortsteilen)
Bauwerke des Mittelalters
Neuzeit
30jähriger Krieg
Französische Revolutionsarmee vor Neustadt
Ansichten der Stadt (Bilder und Stiche)
Napoleon (Aufmarschgebiet der Truppen zur Schlacht bei Abensberg)

Neueste Zeit

Führerkult im 3. Reich (Gesellschaftliche Gleichschaltung und Terror in Neustadt)
Die letzten Kriegstage (Opfer und Zerstörung)
Industriestandort Neustadt (Bau der Raffinerie, Ansiedlung von Zulieferunternehmen für die Autoindustrie im Umland von Neustadt)
Kurort Bad Gögging: vom bäuerlichen Bad zum modernen Kurort

Bereich 2 mit einem modernen Infotainment-Tisch auf dem

Öffentliche Stellen
Museen, Kultureinrichtungen
Touristische Highlights wie zum Beispiel das Römerkastell Abusina
Radrouten
Wanderrouten und
Standorte von Servicestationen wie zum Beispiel Hotels, Restaurants, Cafés, Tankstellen und vieles mehr dargestellt und aufgezeigt werden.

Bereich 3 ist der Veranstaltungskalender neben dem Empfangstresen.

Hier werden kulturelle Veranstaltungen in der Region angekündigt und präsentiert.

Bereich 4 ist die Informationswand an der Imagefilme aus der Region betrachtet werden können.

Im Bereich 5, der Hörspiellounge, kann man Geschichtshörspiele zum Beispiel zu den Römern und Germanen oder auch ein kriminalistische Stadthörspiel anhören.

Selbstverständlich ist das interaktive Museum von Neustadt barrierefrei konzipiert. Ober- und Untergeschoss sind mit Aufzug zu erreichen, das Erdgeschoss ist ebenerdig ohne Stufen zu erreichen, der Empfangstresen ist in zwei Höhen ausgeführt und der interaktive Touch-Tisch im Bereich 2 ist mit einem Rollstuhl unterfahrbar und damit auch für Rollstuhlfahrer zugänglich.
Wie sowohl Bürgermeister Thomas Reimer als auch der Leiter der LEADER-Geschäftsstelle im Landratsamt Kelheim, Klaus Amann, betonten, ist mit dem interaktiven Museum ein Spagat zwischen Historie und Moderne gelungen. Durch die moderne Konzeption entsteht eine qualitativ hochwertige Informationsstelle, die regionale Geschichte erlebbar macht und die historische Bedeutung der Stadt Neustadt regional und überregional nachvollziehbar präsentiert.